Warum führen wir keine aufgestelzten Fertigteilplatten als Fahrbahnbeläge aus?

Sanierungsfall Parkdeck Einkaufszentrum "Galerie Neustädter Tor" in Gießen
Eröffnung 20.10.2005 - Feststellung des Totalschadens 2013

Instabile Bettung

In den „Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen“ für die Materialien von Roofmate und Floormate oder Styrodur wird jeweils unter 3.1.3 gefordert: „Befahrbare Umkehrdächer sind so auszubilden, dass Horizontalkräfte infolge von Verkehrslasten nicht über die Extruderschaumplatten abgeleitet werden.

Diese wichtigen Forderungen werden nach unseren Erfahrungen und Erkenntnissen von den Systemanbietern von aufgestelzten Betonfertigteilplatten völlig unbeachtet gelassen. Diese Hersteller und die Systemanbieter leiten die Horizontalkräfte ebenso wie die Vertikallasten aus dem Fahrverkehr über die Stelzlager, in der Regel aus Gummigranulatplatten, direkt auf die Extruderschaumplatten ab. Dadurch entstehen oft gravierende Schadensfälle, die nach unserer Erfahrung auf die instabile Bettung zurückzuführen sind.

Zur Auflagerung der aufgeständerten Betonfertigteilplatte auf der Wärmedämmung werden Gummigranulatplatten mit einem Durchmesser von 400/500 mm und in einer Standardstärke von 20 oder 30 mm und Ausgleichsplatten von 3 – 5 mm aufgelegt. Die Lagestabilität der Fertigteilplatten bei nicht verketteten Systemen ist nach unserer Erfahrung nicht gegeben. Bei derartigen Parkdächern ohne kraftschlüssige Verkettung lassen sich deshalb immer wieder Verschiebungen und Verdrehungen der Platten feststellen.

Wenn über den Abdichtungsbahnen kein Ausgleichsasphalt aufgebracht wurde, verbleiben oft starke Unebenheiten durch Nahtüberdeckungen der Abdichtungsbahnen oder durch Lunken in der Unterkonstruktion.

Will der Ausführungsbetrieb eine einigermaßen ebene Oberfläche der aufgestelzten Fertigteilplatten erreichen, sind Toleranzen von 3 bis 4 cm auszugleichen. Diese werden bei der Verlegung der Betonfertigteilplatten durch zusätzliche Keillager aus Gummigranulatplatten hergestellt, die jedoch nur noch einen Durchmesser von 120 oder 150 mm haben. Umso höher diese Bautoleranzen sind, umso instabiler wird die Gesamtkonstruktion. Mit einer zu garantierenden Radlast von 1.000 kg pro statischer Auflagefläche des Reifens stoßen nicht kraftschlüssig verkettete Fertigteilsysteme an ihre Grenzen. Dies führt unserer Erfahrung nach bei zu schnellem Fahren, starkem Bremsen oder dem Überfahren von Gegenständen zu Überlastungen der Flächen und kann eine schadenverursachende Instabilität verursachen. 

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